irina

Saturday, January 14, 2006

Boas und Nachfolger

Charakterisiere der durch Boas inspirierten, nordamerikanischen Anthropologie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Wodurch zeichnet sich eine relativistische Haltung in der anthropologischen Forschung aus und wie versuchten die NachfolgerInnen dieser Richtung diesen Ansatz weiter zu entwickeln?

Franz Boas:

Er wurde 1858 in Westfahlen in Deutschland als Kind einer deutsch-jüdischen Familie geboren. Er studierte Geographie, Mathematik und Physik, interessierte sich aber schon immer für fremde Kulturen und Völker.

1883-1884 machte er seine erste Forschungsreise nach Kanada, wo er die Inuit erforschte.

Zwei Jahre später wanderte er nach Amerika aus.

1899 wurde er Professor an der Columbia University.

Im Dezember 1942 starb er in New York.

Boas gründete die Anthropologie in Amerika und war ein extremer Vertreter des Kulturrelativismus. Es war eine Reaktion auf den Rassismus und Evolutionismus des 19.Jahrhunderts. Als Gegner des Evolutionismus kritisiert er Morgan und Tyler. Laut Boas ist eine Kultur nur aus sich selbst zu verstehen und kaum mit einer anderen Gesellschaft vergleichbar (Pluralismus). Er vermeidet Generalisierungen und betont, dass selbst wenn ein Gebiet gut erforscht ist, können nur Vermutungen angestellt werden, keine allgemein gültigen Aussagen. Alle Kulturen haben die gleichen Fähigkeiten, die aber durch das Umfeld geprägt werden. Die Geschichte jeder Kultur ist einzigartig und muss daher spezifisch untersucht werden. Er betrachtete die Kultur als funktionales Ganzes, nach der Theorie des Holismus.

Er kritisierte auch die „Armchair - Anthropology und betrieb intensive Feldforschung.

„The Social Organisation and the Secret Societies of the Kwakiutl Islands(1895)

Er war Spezialist der Kwakiutl, einer Wildbeutergesellschaft, an der NW-Küste der Vereinigten Staaten.

Potlach: bedeutet „geben“

Es ist ein Ritual bei dem die Männer den Gästen Geschenke machen. Es drückt den Reichtum des Gastgebers aus und man sollte später etwas zurückschenken. Für die Kwakiutl ist Ruhm und Ansehen sehr wichtig und steht über dem Materiellen.

Für Boas war Sprache ein sehr wichtiger Punkt. Man kann sie nur verstehen wenn man sie beherrscht. Er betont, „Sprache ist wie Kultur“. Sie prägt das Individuum und spiegelt die Kultur wieder. Man muss also die Sprache der zu erforschenden Gesellschaft unbedingt lernen.

Franz Boas gründete den „Four Field Aproach“, der die linguistischen, biologischen, soziokulturellen und archäologischen Aspekte einer Gesellschaft beinhaltet.

Kritik an Franz Boas:

Durch seinen extremen Kulturrelativismus ließ er keine ethnologischen Verallgemeinerungen zu. Auch stellte er keine neuen Theorien auf, sondern kritisierte nur die alten.

Bei Boas drehte sich alles nur um die Sprache und er vernachlässigte andere wichtige Aspekte.

Sein erster Schüler war Alfred Kroeber und kurze Zeit später auch Robert Lowie.

Aber viel wichtiger für die amerikanische Anthropologie waren Ruth Benedict und Margaret Mead.

Ruth Fulton Benedict:

Sie wurde 1878 in New York als Ruth Fulton geboren. Später studierte sie am Vassar College in Kalifornien. Nach ihrer Heirat mit Stanley Benedict 1914 ging sie wieder nach New York zurück und studierte dort ab 1921 als Schülerin Franz Boas an der Columbia University.

Sie forschte in den Vereinigten Staaten bei den Serrano, Zuni, Hopi und den Blackfoot Indianer. Benedict betrieb aber kaum eigene Feldforschung sondern benützte hauptsächlich Materialien von anderen.

Sie starb im September 1948 in New York.

Ihr Hauptinteressensgebiet galt der Beziehung zwischen Gesellschaft und Individuum. Sie leistete Pionierarbeit auf dem Gebiet der Kultur- und Persönlichkeitsforschung (Culture and Personality – Bewegung). Sie versuchte zu beschreiben wie Kultur individuelles Handeln beeinflusst, welche Werte und Normen hinter den Verhaltensmustern liegen.

Was in unserer Gesellschaft als nicht normal gilt, kann in einer anderen Gesellschaft als ganz normal angesehen werden.

Laut Benedict hat jede Kultur ihre eigenen Muster, die Anzahl der Kulturtypen jedoch ist begrenzt. Es stehen jeder Kultur einige Kulturelemente zu Verfügung, woraus sich dann bestimmte Merkmale herausbilden. Sie sagt auch, Kultur sei nicht biologisch bedingt, sondern eine Weitergabe von Traditionen.

Ihr berühmtestes werk ist „Patterns of Culture“, das eines der wichtigsten Werke des 20. Jahrhunderts ist. Sie machte die Anthropologie als erste auch Nicht-Wissenschaftlern verständlich.

In diesem werk beschreibt und vergleicht sie drei Gesellschaften:

Zunis:

New Mexico;

Benedict beschreibt sie als ein „apollinisches“ Volk. Dieses Wort kommt vom griechischen Gott Apollo, dem Gott der Harmonie und Ordnung. Die Zunis führen ein sehr friedliches Leben. Apollinisch steht auch für rationale Klarheit und Ausgeglichenheit.

Sie haben bestimmte Kulte des Krieges, des Heilens, etc, die einen sehr hohen Status haben, weil bei falscher Handhabung Folgen eintreten können.

Die Zunis leben mit strengen Regeln und Formen und legen großen Wert auf „sauberes Verhalten“. Es bedeutet, dass die Gefühle zwischen Frau und Mann nicht zu stark sein dürfen.

Sie unterscheiden auch nicht zwischen Gut und Böse, sondern nehmen die Dinge einfach hin wie sie sind.

Kwakiutl:

Vereinigte Staaten;

Sie sind genau das Gegenteil von den Zunis. Benedict bezeichnet sie als „dionysisch“. Dionysos, der Gott der Griechen, steht für Genus und Sinnlichkeit. Sie sind ein sehr emotionales, leidenschaftliches Volk bei dem Rivalität und Streitlust im Vordergrund steht.

Bei ihren Ritualen spielt rauschhafte Ekstase und Trance eine wichtige Rolle.

Dobuans:

Melanesien;

Die höchsten Tugenden der Dobuans sind Verrat und Feindschaft.

Jeder in diesem Volk, zum Beispiel, begeht Ehebruch. Wird es aber herausgefunden kommt es zu Kämpfen und teilweise sogar zu Selbstmord.

Die Hexerei ist für diese Gesellschaft auch sehr wichtig. Zum Beispiel wenn jemand eine bessere Ernte erzielt hat als die anderen, glauben diese er habe Hexerei gegen sie verwendet.

Für sie ist es ganz normal, dass sie ständig vor den anderen Angst haben müssen.

Margaret Mead:

Sie wurde am 16.12.1901 in Philadelphia geboren.

Später studierte sie an der Columbia University bei Franz Boas in New York und war eine der wichtigsten Vertreterinnen der Kulturrelativismus des 20. Jahrhunderts.

Mead betrieb Feldforschung in Samoa, Arapesh, Mundugumor, Tchambuli, Manus, Iatmul und Bali.

Sie starb im Jahr 1978.

„Coming of Age in Samoa

1925 schickte sie Boas alleine nach Samoa um dort das Verhalten und die Sexualität junger Mädchen zu erforschen. Sie fand heraus, dass es keine jugendliche Rebellion gab und unehelicher Sex ohne Liebesverhältnis ganz normal ist.

Sie befragte nur wenige Mädchen und überprüfte die Aussagen nicht. Sie wurde kritisier,t weil sie die örtliche Sprache zu wenig beherrschte.

Ihre Forschungen in Samoa waren zur Zeit der „Norture-Nature-Debatte“. Sie war der Meinung, dass Nahrung wichtiger sei als Natur (Kulturdeterminismus).

Sie gehört zu den Begründern der „Culture and Personality Bewegung“ und prägte die psychologische Anthropologie (Fotos, Filme, Ursprung der Ereignisanalyse, etc.).

Margaret Mead wendete die Methode der „Teilnehmenden Beobachtung“ an, deshalb waren ihre Forschungen sehr präzise und genau.

Sie Förderte die Relevanz der US-Anthropologie in der Öffentlichkeit und baute sie aus.

Für Mead ein wichtiger Beitrag war die Beschäftigung mit dem kulturellen Wandel und die Anwendung der ethnologischen Forschung im Hinblick auf das Überleben.

QUELLEN:

en.wikipedia.org (12.1.2006)

www.rzuser.uni-heidelberg.de (11.1.2006)

http://ksakathrin.blogspot.com

„One Disciplin, Four Ways“, S. Silverman,

British, German, French, and American Anthropology. Chicago 2005, University of Chicago Press. Seite 259 – 269

Wednesday, November 30, 2005

EMILE DURKHEIM (1858-1917)


Durkheim wird von vielen als der Vater der Soziologie aber auch der Anthropologie bezeichnet. Er betrieb selbst keine Feldforschung und galt deshalb als " Armchair- Anthropologist". Er verließ sich nur auf die Forschungsergebnisse von anderen.
Er wurde am 15. April 1858 in Épinal, Frankreich, als Sohn eines Rabbis, geboren und verbrachte die ersten Jahre in einer jüdischen Schule, weil er in seine Fußstapfen treten sollte. Doch er wendete sich in seiner Jugend vom Judentum ab, wurde aber weiterhin von jüdischem Denken beeinflusst. Religion blieb auch später sein Hauptinteressensgebiet.
Er studierte Philosophie an der Ecole normal Supérieur in Paris und machte nach seinem Abschluss eine Studienreise nach Deutschland.
Ab 1887 war er an der Universität von Bordeaux als Professor für Pädagogik und Sozialwissenschaften tätig. Während den folgenden Jahren gründete er die französische Soziologie und wirkte an ihrer Institutionalisierung als empirische Wissenschaft mit.
Er regte die interdisziplinäre Wissenschaft an, als er 1898 die Zeitschrift "Année Sociologique" gründete zusammen mit seinem Neffen Marcel Mausse (geb.1872).
Am 15. November 1917 starb er an einem Schlaganfall.

Durkheim prägte insbesondere zwei Theorien der Anthropologie und Soziologie. Den Funktionalismus wo er Malinowski und Radcliff-Brown beeinflusste und den Strukturalismus.
Laut Durkheim, ist eine Gesellschaft mehr als eine Summe von Individuen, die zu ihr gehören. Die Gesellschaft kann man nicht mit biologischen oder psychologischen Begriffen erklären. Soziale Phänomene sind selbständige Größen, die man nicht auf psychische Phänomene reduzieren kann.


Seine wichtigsten Werke sind:

„De la Division du Travail“ – Über die Teilung der sozialen Arbeit (1893)

Wie wird eine Masse an Individuen, eine Gesellschaft zusammengehalten? Wie wird eine soziale Ordnung hergestellt?
Er beschäftigt sich mit dem Grad der Arbeitsteilung und unterscheidet 2 Formen der Solidarität.
Er beschreibt zuerst die Solidarität in nichtindustrialisierten Gesellschaften. Diese mechanische Solidarität entsteht wenn alle Mitglieder einer Gesellschaft die gleichen oder ähnliche Aufgaben haben. Würde eine Person ausfallen, hätte es keinerlei Wirkung auf die Gesellschaft, weil alle dasselbe tun. Man ist also nicht von anderen Individuen abhängig. Sie werden nicht durch Arbeitsteilung, sondern durch andere Werte zusammengehalten.
Sein eigentliches Interesse aber bestand darin, was passiert, wenn eine Gesellschaft industrialisiert wird und somit die Arbeitsteilung aufkommt. Diese ist so komplex, dass der Einzelne sie nicht mehr überblickt und ist das, was die Industriegesellschaften von anderen Gesellschaften unterscheidet. Durkheim nennt dieses die organische Solidarität. Als Folge von Industrialisierung wird die Arbeit geteilt, d.h. es haben nicht mehr alle die gleichen Aufgaben, man ist somit von anderen abhängig. Wenn ein Mitglied scheitert, scheitert die ganze Gesellschaft. Diese Abhängigkeit legt den Grundstein der organischen Gesellschaft.




„Le Suicide“ – der Selbstmord, die Selbsttötung (1887 Dissertationsarbeit)

" The term suicide is applied to all cases of death resulting directly from a positive or negative act of the victim himself, which he knows will produce this result." [1]

Suicide ist eine Kombination aus soziologischer Theorie und Empirismus um ein soziales Phänomen zu beschreiben.
In seiner empirischen Selbstmordstudie vergleicht Durkheim Statistiken über Protestanten – Katholiken, Alte – Junge etc. und stellt fest, dass die Raten unterschiedlich sind. Selbstmord hat immer ein soziales Problem als Grundlage und basiert auf sozialer Integration und moralischer Regulation bzw. Anomie(=Rückgang sozialen Zusammenhalts und Fehlen von gesellschaftlichen Normen) und Egoismus, als natürliche Folge sowohl der langsamen Entwicklung der mechanischen, als auch dem Verfall der organischen Gesellschaft.
Er teilt den Selbstmord in verschiedene Formen ein.
• „altruistischer Selbstmord“ als Folge von zu starker Integration, der Einzelne geht ganz in der Gruppe unter
• „egoistischer Selbstmord“, der durch sozialen Rückzug ausgelöst wird
• „anomischer Selbstmord“, wenn das Individuum nicht von der Gesellschaft unterstützt wird.
Der Begriff Anomie wurde von Emile Durkheim selbst geprägt.


„Les formes élémentaires de la vie religieuse“ (1912)

Dieses letzte Hauptwerk wird als das wichtigste und bekannteste gesehen.
Durkheim stellt sich anfangs die Frage nach dem Ursprung religiöser Ideen.
Ein zentrales Element seiner Theorie bildet die Dichotomie zwischen sakral und profan.
Durkheim war der Meinung Religion sei nicht etwa magisch oder übernatürlich, sondern einzig ein Produkt des menschlichen Denkens. Das Sakrale repräsentiert etwas Höheres, vom Alltag abgehobenes. Die einzig übermenschliche Macht seien aber die kollektiven Vorstellungen der Gesellschaft, also die „représentations collectives“(Normen, Symbole, Mythen, Werte,…) Ein in eine Gesellschaft hineingeborenes Individuum empfindet diese kollektiven Vorstellungen als gegeben und nicht beeinflussbar, sodass ihm gar nichts anderes übrig bleibt, als sie zu akzeptieren.
Religion ist, laut Durkheim, nichts anderes als eine Umwandlung der kollektiven Vorstellungen in sakrale Symbole.
Er nimmt die „primitiven Religionen“, wie Animismus, Naturalismus und Totemismus als die ursprünglichsten Formen her, beschäftigt sich aber hauptsächlich mit dem Totemismus der australischen Aborigines.
Die einzelnen Klane verehren heilige Objekte, Totems, die mit der jeweiligen Abstammung in Verbindung stehen. Dadurch wird ein Zusammengehörigkeitsgefühl ausgelöst.
Er sieht alle wesentlichen Elemente „entwickelter Religionen“ als abgeänderte Versionen der gleichen Grundideen.
Durkheim teilt die Religion in vier Charakteren ein:
• Religion ist zwingend durch die Angst vor Sanktionen
• Religion ist allgemein, d.h. sie hält einzelne Individuen zusammen
• Religion ist traditionell. Sie existierte schon vor der Geburt des Individuums und wird auch nach seinem Tod weiter bestehen.
• Religion existiert außerhalb des Individuums und kann nur deshalb einen Einfluss ausüben.


Was für Durkheim auch noch eine große Rolle spielte, war das Ritual.
„Religiöse Repräsentationen sind kollektive Repräsentationen, die eine kollektive Wirklichkeit ausdrücken.“ Um dieses Kollektive zu repräsentieren werden Rituale abgehalten.
Durkheim behauptete, dass Rituale keine emotionale Funktion haben, sondern eine allgemeine. Auch wenn es Teil ist, diese Emotionen zu fühlen, schreibt er dem Ritual eine allgemeine Form zu.
In diesem Punkt wird er aber kritisiert.
Er ignoriert, dass die Gesellschaft nicht vom Ritual ausgeschlossen wird, sondern damit kommuniziert, d.h. es gehört zu einer Gesellschaft dazu, Rituale zu halten. Traditionen, Erinnerungen, sowie, zum Beispiel, der Tod eines Mitglieds der Gesellschaft bestimmen wann ein Ritual gehalten wird. Sie erhöhen den Gesellschaftssinn, der aber auch sonst jeder Zeit vorhanden ist.



Abschließend kann man sagen, dass Durkheim einer der wichtigsten Vertreter der Anthropologie und der Soziologie war. Von ihm wurde sein Neffe Marcel Mausse und deren Neffe Claude Levi-Strauss stark beeinflusst. Doch auch im Strukturalismus und Funktionalismus eins Malinowski und Radcliff- Brown hat er seine Spuren hinterlassen.


[1] (Thompson, 1982, p. 109 )

Quellen:

One discipline four ways, Parkin s.170-185

Ethnologie – Einführung und Überblick, H. Fischer, B. Beer , s.208

www.wikipedia.org (20.11.2005)

www.itgo.com (21.11.2005)

Saturday, October 29, 2005

irina

hallo wie gehts?